Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Sie stellt nicht nur eine ökologische, sondern auch eine psychologische Belastung dar. Die Veranstaltung „Psychologie des Klimawandels“, durchgeführt von Clara Kühner von den Psychologists for Future, beleuchtete die psychischen und gesellschaftlichen Mechanismen, die unseren Umgang mit der Klimakrise beeinflussen. Sie zeigte auf, wie Gefühle wie Angst, Wut oder Schuld sowie kognitive Verzerrungen und gesellschaftliche Dynamiken unser Handeln prägen.
Die Klimakrise als existentielle Bedrohung löst bei vielen Menschen starke emotionale Reaktionen aus. Sie aktiviert tief verwurzelte Schutzmechanismen, die darauf abzielen, unser psychisches Gleichgewicht zu bewahren, uns aber oft daran hindern, wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Angst ist dabei eine häufige Reaktion. Angesichts der Größe und Komplexität der Klimakrise fühlen sich viele Menschen überfordert und machtlos. Dieses Gefühl der Ohnmacht führt nicht selten zu einem Zustand der Lähmung. Anders als bei unmittelbaren Bedrohungen wie Naturkatastrophen fehlt bei der Klimakrise oft die greifbare Dringlichkeit, was das Gefühl von Kontrollverlust verstärkt.
Neben den emotionalen Reaktionen spielen kognitive Verzerrungen eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung und Verarbeitung der Klimakrise. Diese Verzerrungen beeinflussen, wie wir Informationen interpretieren und darauf reagieren. Ein Beispiel sind Single Action Bias. Nach einer umweltfreundlichen Handlung, wie dem Kauf von Bio-Lebensmitteln, fühlen sich viele Menschen, als hätten sie genug getan, was sie davon abhält, weitergehende Maßnahmen zu ergreifen. Dies vermittelt ein falsches Gefühl von Effektivität, obwohl grundlegende Verhaltensänderungen oder systemische Maßnahmen nötig wären.
Ein weiteres Hindernis ist der Optimism Bias, der dazu führt, dass Menschen die Risiken der Klimakrise unterschätzen. Sie glauben oft, dass es sie persönlich nicht betreffen wird oder setzen auf zukünftige technologische Lösungen. Diese Hoffnung entlastet zwar kurzfristig emotional, verzögert jedoch dringend notwendiges Handeln. Hinzu kommt der Einfluss sozialer Normen: Viele Menschen orientieren sich an ihrem Umfeld. Wenn der Eindruck entsteht, dass niemand aktiv wird, sinkt die Bereitschaft, selbst etwas zu tun.
Nicht nur auf individueller, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene gibt es Mechanismen, die das Voranschreiten effektiver Klimaschutzmaßnahmen behindern. Verzögerungsdiskurse spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Diese Diskurse, oft befördert durch wirtschaftliche oder politische Interessen, relativieren die Dringlichkeit der Klimakrise oder zweifeln die Wirksamkeit von Maßnahmen an. Häufig genutzte Argumente sind etwa, dass Klimaschutz zu teuer sei oder dass zukünftige Technologien die Probleme lösen könnten. Solche Narrative lenken von der Notwendigkeit ab, jetzt zu handeln. Auch die Konzentration auf individuelle Verantwortung verschiebt die Debatte von systemischen Lösungen hin zu persönlichem Konsumverhalten.
Die Referentin betonte, dass diese Verzögerungsdiskurse nicht nur auf politischer Ebene stattfinden, sondern auch tief in unserem Denken verankert sind. Viele Menschen suchen nach Rechtfertigungen, um sich unangenehmen Veränderungen zu entziehen, sei es aus Angst vor Kontrollverlust oder aus dem Wunsch, den Status quo zu bewahren.
Eine zentrale Frage des Vortrags war, wie wir diese psychologischen Hürden überwinden können. Ein wichtiger Schritt ist die Stärkung emotionaler Resilienz. Menschen müssen lernen, mit ihren Gefühlen von Angst, Trauer und Schuld umzugehen, ohne sich von ihnen lähmen zu lassen.
Neben der emotionalen Arbeit ist es wichtig, kognitive Verzerrungen zu durchbrechen. Bildungsinitiativen, die über die Klimakrise und psychologische Mechanismen aufklären, können helfen, diese Denkmuster zu erkennen und zu hinterfragen. Hierbei geht es darum, Menschen zu befähigen, ihre Entscheidungen bewusst zu treffen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
Der Vortrag machte deutlich, dass der Umgang mit der Klimakrise nicht allein eine Frage von Wissen oder technologischen Lösungen ist. Es geht auch darum, die psychologischen Dynamiken zu verstehen, die unser Handeln beeinflussen. Indem wir uns mit unseren Ängsten, kognitiven Verzerrungen und gesellschaftlichen Blockaden auseinandersetzen, können wir die Kluft zwischen Wissen und Handeln überbrücken. Die Klimakrise fordert nicht nur technologische sondern auch emotionale und psychologische Antworten.
Wir bedanken uns herzlich bei Clara Kühner für den spannenden Vortrag!
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Freund Rüll & Partner
Graf von Westphalen